Nachbericht „Oder wir brennen das Land nieder“

19. November 2014  Allgemein

Am 18.11.2014 erzählte der Konfliktfotograf Timo Vogt auf Einladung der Linkspartei über seine Reisen in das vom Bürgerkrieg zerissene Land Syrien abends im Gewerkschaftshaus in Worms. Nach einem geschichtlichen Abriss, wie sich der friedliche Widerstand im Rahmen des „arabischen Frühlings“ gegen Assad zu einem undurchsichtigen Bürgerkrieg entwickeln konnte, ging es um die Menschen denen er begegnete: Leute, deren Haus zerstört und Familie vom Assad-Regime umgebracht wurden, Apotheker die zu den Waffen griffen oder engagierte Menschen, die selbst unter Belagerungszustand in Kellern noch so etwas wie einen geregelten Schulunterricht leisteten oder versuchten, völlig ohne Erfahrungen demokratische Strukturen in ihren Dörfern aufzubauen.

Gerade der Alltag der Menschen wurde in prägnanten Fotos festgehalten, wie z.B. die Müllentsorgung geregelt wird oder wie man eine medizinische Versorgung irgendwie am Laufen hält, wenn Mediziner auf bevorzugt auf der Abschussliste stehen, um den den Willen der Opposition zu brechen.

In der anschließenden Diskussion ging es unter anderem um die Frage, wie er die Reisen organisiert habe. Er stellte zu Beginn klar, dass sein Bericht nur die Seite der Oppositionellen darstellen konnte, weil Journalisten bei der Seite Assads nicht arbeiten können und die Risiken zu groß sind, als dass man ohne ortskundige verlässliche Leute, sich frei im Land bewegen kann.

Die weitere Entwicklung in Syrien sieht Vogt sehr kritisch. So vermutet er eine weitere Radikalisierung der Menschen und kein absehbares Ende des Konfliktes. Besonders hervorheben wollte er, dass der Westen viel zu lange dem Treiben Assads zugesehen hatte, aber ein simples Diktator-töten-und-alles-wird-gut nicht der Weg sein kann, wie es bei anderen Regionen schon daneben ging. Wer sind also die Guten? Keine einfache Frage, aber wichtig fand Vogt, dass man die autonomen, zivilen Strukturen und Hilfsorganisationen unterstützen sollte, die abseits von religiösen oder ethnischen Grenzen versuchen, einzelne Dörfer wieder aufzubauen.

Für den Helfer- und Unterstützerkreis der Flüchtlinge wurden 17,10€ gesammelt und in den kommenden Tagen übergeben.

Timo Vogt hat Syrien in den vergangenen zwei Jahren viermal bereist und seine Bilder in europäischen Zeitungen und Magazinen veröffentlicht. In seinem Bilder-Vortrag berichtet er von Begegnungen und Erlebnissen in einem Land, das von einer Revolution in einen blutigen Bürgerkrieg abrutschte. Timo Vogt ist freier Fotojournalist und lebt im niedersächsischen Wendland.

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