Der schwierige Alltag in Syrien

27. November 2014  Allgemein, Partei Worms, Presse, Stadt Worms

Auf einer Veranstaltung der Partei DIE LINKE und der Linksjugend.Solid im Wormser Gewerkschaftshaus erzählte der Konfliktfotograf Timo Vogt über seine Reisen in das vom Bürgerkrieg zerrissene Land Syrien. Nach einem geschichtlichen Abriss, wie sich der friedliche Widerstand im Rahmen des „arabischen Frühlings“ gegen Assad zu einem undurchsichtigen Bürgerkrieg entwickeln konnte, ging es vor allem um die Menschen denen er begegnete. Leute, deren Haus zerstört und die Familie vom Assad-Regime umgebracht wurden, Apotheker die zu den Waffen griffen oder engagierte Menschen, die selbst unter Belagerungszustand in Kellern noch so etwas wie einen geregelten Schulunterricht leisteten oder versuchten, völlig ohne Erfahrungen, demokratische Strukturen in ihren Dörfern aufzubauen. Gerade der Alltag der Menschen wurde in prägnanten Fotos festgehalten, wie z.B. die Müllentsorgung geregelt wird oder wie man eine medizinische Versorgung irgendwie am Laufen hält, wenn Mediziner bevorzugt auf der Abschussliste stehen, um den Willen der Opposition zu brechen.

In der anschließenden Diskussion ging es unter anderem um die Frage, wie er die Reisen organisiert habe. Er stellte zu Beginn klar, dass sein Bericht nur die Seite der Oppositionellen darstellen konnte, weil eine Arbeit bei der gegnerischen Seite, dem Assad-Regime, nicht mehr möglich war. Zudem sind die Risiken für das eigene Leben sehr groß, so dass man sich ohne ortskundige verlässliche Menschen im Land nicht frei bewegen kann. Die weitere Entwicklung in Syrien sieht Vogt sehr kritisch. So vermutet er eine weitere Radikalisierung der Menschen und kein absehbares Ende des Konfliktes. Besonders hervorheben wollte er, dass der Westen viel zu lange dem Treiben Assads zugesehen hatte, aber ein simples „Diktator-töten-und-alles-wird-gut“ nicht der Weg sein kann, wie es bei anderen Regionen schon daneben ging. Wer sind also die Guten? Keine einfache Frage, aber wichtig fand Vogt, dass man die autonomen, zivilen Strukturen und Hilfsorganisationen unterstützen sollte, die abseits von religiösen oder ethnischen Grenzen versuchen, Dörfer und Städte wieder aufzubauen und das Leben dort zu organisieren.

 

Timo Vogt hat Syrien in den vergangenen zwei Jahren viermal bereist und seine Bilder in europäischen Zeitungen und Magazinen veröffentlicht. In seinem Bilder-Vortrag berichtet er von Begegnungen und Erlebnissen in einem Land, das von einer Revolution in einen blutigen Bürgerkrieg abrutschte. Timo Vogt ist freier Fotojournalist und lebt im niedersächsischen Wendland. Weitere Informationen auch im Internet unter www.randbild.de.